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Arzneimittelwechselwirkung - Hysterie oder Gefahr?

Arzneimittelwechselwirkungen schaden Patienten und verursachen enorme Kosten1

Arzneimittelwechselwirkungen werden oft unterschätzt. Sie gehören in den USA mittlerweile zu den sechsthäufigsten Todesursachen im Krankenhaus. In Deutschland ist jeder zwanzigste Patient aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwechselwirkungen in Behandlung.2 Ökonomisch betrachtet hat dies gravierende Folgen. Die Vereinigten Staaten geben einen ökonomischen Schaden in Höhe von 177,4 Mrd. US$ aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwechselwirkungen an. Im Rahmen einer Studie im General Hospital of Viktόria da Conquiosta in Brasilien wurde diese Problematik aufgegriffen und potentielle Arzneimittelwechselwirkungen im Krankenhaus auf ihre Häufigkeit und auf die Korrelation mit unterschiedlichen Variablen untersucht.


Article

Studienmethode zur Untersuchung von Arzneimittelwechselwirkungen

Mithilfe einer retrospektiven Querschnittsanalyse wurden Arzneimittelverordnungen ab zwei Medikamenten und medizinische Daten evaluiert. Die Häufigkeit von potentiellen Arzneimittelwechselwirkungen wurden in Zusammenhang mit den Kriterien Geschlecht, Alter, Polypharmazie sowie der Krankenhausverweildauer und Krankenhauskosten untersucht.

Die Studie umfasste 589 Patienten über 18 Jahre und 3.585 Arzneimittelverordnungen. Primär-Diagnosen wurden hierbei mittels Charlson Comorbidity Index (CCI) klassifiziert.

Behandlungskosten und Krankenhausverweildauer korrelieren mit Arzneimittelwechselwirkungen

In einer an 589 Patienten durchgeführten Studie hatten 60% der Patienten bei Entlassung aus dem Krankenhaus potentielle Arzneimittelwechselwirkungen. Krankenhausverweildauer und Behandlungskosten hängen eng mit Arzneimittelwechselwirkungen zusammen. Dabei sind diese häufig mit einfachen Mitteln vermeidbar.

Ein ernst zu nehmendes Problem

Insgesamt 1.282 potentielle Wechselwirkungen wurden identifiziert, d.h. 37% der Klinikpatienten waren mindestens von einer potentiellen Arzneimittelwechselwirkung betroffen. Die häufigste unerwünschte Arzneimittelwechselwirkung bestand zwischen Digoxin und Furosemid (11%).
Die Analyse ergab, dass Arzneimittelwechselwirkungen mit mehreren Parametern im Zusammenhang stehen, unter anderem mit dem Geschlecht, dem Alter, der Anzahl der verordneten Medikamente, der Krankenhausverweildauer sowie den inkludierten Kosten und dem CCI.
In der mehrdimensionalen Datenanalyse stieg die Möglichkeit potentieller Wechselwirkungen unter den Patienten mit Polypharmazie um das Siebenfache, im Vergleich zu Patienten, die weniger als fünf Medikamente einnahmen. Die Krankenhausverweildauer sowie der CCI als auch die Krankenhauskosten korrelierten auch unabhängig voneinander mit den Arzneimittelwechselwirkungen. Somit stellen Arzneimittelwechselwirkungen ein signifikantes klinisches aber auch ökonomisches Problem dar.

Arzneimittelwechselwirkungen sind vermeidbar

Es konnte nachgewiesen werden, dass Krankenhausverweildauer und Behandlungskosten mit Arzneimittelwechselwirkungen korrelieren. Andere Studien bestätigen die ebenfalls gefundene Korrelation zwischen Geschlecht, Alter, Polypharmazie und Arzneimittelwechselwirkungen.3 4 5 6

60% aller Studienpatienten wiesen basierend auf der Verschreibungsdokumentation bei Entlassung potentielle Arzneimittelwechselwirkungen auf. Dabei sind die Identifizierung von möglichen Arzneimittelwechselwirkungen im Zeitalter von sofort verfügbaren Datenbankabfragen einfacher denn je.

Darüber hinaus sind Gegenmaßnahmen häufig nicht kompliziert: die häufigste in der Studie auftretende Arzneimittelwechselwirkung (zwischen Digoxin und Furosemid) kann vermieden werden, indem salzreduzierte Nahrung oder die Gabe von kaliumarmen Diuretika verordnet wird. Patienten und Budgets können von solch einfachen Maßnahmen erheblich profitieren.

1  Dieser Artikel und alle nicht referenzierten Daten basieren auf der Veröffentlichung Moura, Acurcio, Belo.Drug-Drug Interactions Associated with Length of Stay and Cost of Hospitalization”, J Pharm Pharmaceut Sci 12(3) 266 – 272, 2009
2  Stiftung Warentest 19/10/2006, „Dieser Mix verträgt sich nicht“
3  Cruciol-Souza JM, Thomson, JC. Prevalence of potential drug-drug interactions and its associated factors in a Brazilian teaching hospital. J Pharm Pharm Sci, 2006; 9:427-33
4  Egger SS, Ratz AE, Bravo AE, Hess L, Schlienger RG, Krahenbuhl S. Age-related differences in the prevalence of potential drug-drug interactions in ambulatory dyslipidaemic patients treated with statins. Drugs Aging, 2007; 24:429-40
5  Gagne JJ, Maio V, Rabinowitz C. Prevalence and predictors of potential drug-drug interactions in Regione Emilia-Romagna, Italy. J Clin Pharm Ther, 2008; 33:141-51
6  Radosevic N, Gantumur M, Vlahovic-Palcevski V. Potentially inappropriate prescribing to hospitalized patients. Pharmacoepidemiol Drug Saf, 2008; 17:733-7